Was man von Adelswappen über Farbkomposition lernen kann

Eine der Aufgaben einer Bildkomposition besteht darin, die wichtigsten Elemente eines Motivs klar erkennbar darzustellen. Bei farbigen Bildern spielt dabei natürlich nicht nur die Anordnung der Elemente, sondern auch die Farbkomposition eine wichtige Rolle.

Dabei liegt es nahe, unterschiedliche Elemente oder Bildebenen wie Vordergrund oder Hintergrund durch verschiedene Farbsättigungen oder Farbhelligkeiten voneinander abzusetzen.

Es gibt viele Ansätze, wie man eine Farbkomposition angehen kann. Um sich einige hilfreiche Faustregeln anzueignen, kann es nützlich sein, sich einige der ältesten Designs der Geschichte anzusehen: Adelswappen und Flaggen.

Welche Rolle Farbkomposition in der Heraldik spielt

Die Heraldik umfasst die Gestaltung von Adels- und Stadtwappen. Ein prächtiges Wappen hatte nicht nur die Aufgabe, den Status des Eigentümers zu repräsentieren. Hoheitszeichen mussten auch in Schlachten klar erkennbar sein.

Wenn die Motive auf den Standarten und Bannern nicht ausreichend unterscheidbar waren, konnte das sehr unangenehme Auswirkungen im Verlaufe eines Kampfes haben. Verwechslungen konnten dazu führen, dass man versehentlich befreundete Truppen angriff oder sich plötzlich unter feindlichen Rittern wiederfand. Beides waren Situationen, die Feldherren möglichst vermeiden wollten.

Somit mussten die Künstler bei der Gestaltung der Wappen ganz praktische Probleme in Bezug auf Sichtbarkeit und Erkennbarkeit lösen. Beim Bewältigen dieser Aufgabe haben sich in der Heraldik Regeln herausgebildet, die in den meisten Wappen zur Anwendung kamen.

Beerdigung von Elizabeth I.
Quelle: Wikimedia Commons

Regeln bei der Farbgebung von Wappen

Metalle
Gold
Silber
Farben
Blau
Rot
Purpur
Schwarz
Grün

Die Farbgebung bei Wappen nennt sich Tingierung. Klassischerweise unterscheidet man bei der Tingierung zwischen Farben und Metallen.

Zu den Farben werden Blau, Rot, Purpur, Schwarz und Grün gezählt. Zu den Metallen gehören Gold und Silber. Auf einigen Flaggen und Schilden wurden Metalle tatsächlich z.B. durch Blattgold dargestellt. Allerdings wurden und werden Gold und Silber aus praktischen Gründen auf Wappen und Flaggen häufig jeweils durch die Farben Gelb und Weiß repräsentiert.

Eine der Regeln in der Heraldik lautet nun, dass in einem Wappen Metall nicht an Metall grenzen darf und Farben nicht an Farben. Gerade metallische Farben sind auf große Entfernungen schwer voneinander zu unterscheiden. Ähnliches gilt für satte Farben wie Blau, Rot und Purpur. Indem man dafür sorgt, dass farbige Flächen immer durch metallene Flächen voneinander getrennt werden, erhöht man den Kontrast des Motivs und damit die Sichtbarkeit.

Beispiele für die Farbgebung von Wappen

Wappen der Stadt Leipzig

Hier sieht man einmal das Stadtwappen von Hamburg und als zweites das Stadtwappen von Leipzig.

Obwohl das Motiv beim Stadtwappen von Hamburg relativ komplex ist, ist die Farbkomposition simpel gehalten. Es besteht nur aus dem Metall Silber und der Farbe Rot, wodurch sich auf einfache Art und Weise ein starker Kontrast ergibt.

Die Farbgestaltung des Stadtwappens von Leipzig ist etwas aufwändiger. Als Grundfarbe dient hier das Metall Gold. Auf den beiden Hälften sind jeweils blaue und schwarze Farbflächen untergebracht. Die blauen Streifen und der schwarze Löwe berühren sich aber an keiner Stelle, sondern sind immer durch das Metall voneinander getrennt.

Man sieht hier auch, dass es sich hier nicht um feste Gesetze, sondern nur um Faustregeln handelt: Streng genommen dürften die roten Krallen des Löwen die schwarze Farbfläche nicht berühren. Genauso dürfte die schwarze Umrandung der weißen Burg die rote Fläche nicht berühren. Gerade bei solchen Details wird aber ein Auge zugedrückt.

Die meisten europäischen Wappen, vor allem wenn sie noch aus dem Mittelalter stammen, halten sich an diese Regeln.

Farbkomposition bei Bildmarken

Die Prinzipien, die bei der Gestaltung von Wappen zum Einsatz kommen, können so oder so ähnlich auch in anderen Bereichen angewandt werden.

Logos haben viele Eigenschaften mit Wappen gemein, da sie ähnliche Zwecke erfüllen. Auch hier ist es wichtig, dass die entscheidenden Elemente schnell und klar erkennbar sind.

Aus diesem Grund ergeben sich hier häufig Farbkombinationen, die denen von Flaggen und Wappen ähneln. Auch hier werden Flächen mit satten Farben häufig durch weiße Flächen voneinander getrennt.

Die Regeln, die sich bereits Jahrhunderte zuvor bei der Gestaltung von Symbolen für Adelshäuser bewährt haben, kommen auch hier häufig zu Anwendung, sei es bewusst oder unbewusst.

Farbkomposition in Filmszenen

Filmszenen sind von ihrem Inhalt und ihren Farbkompositionen her in der Regel deutlich komplexer und aufwändiger als Wappen oder Logos. Aber auch hier müssen teilweise ähnliche Problem gelöst werden. Wie kann man das Auge des Betrachters führen, wie können die wichtigen Objekte im Bild hervorstechen?

Quelle: film-grab.com, A Wrinkle in Time

Diese Szene aus „A Wrinkle in Time“ ist bereits eher minimalistisch und sehr grafisch angelegt. Die rötliche Hautfarbe von Chris Pine könnte hier mit dem ebenfalls orange-rötlichen Hintergrund verschmelzen.

Die hellere, gelbliche Fläche direkt hinter seinem Gesicht hilft bereits, einen Kontrast zu erzeugen. Deutlich verstärkt wird der Effekt durch die dunklen Haare und die dunkle Kleidung, die sein Gesicht einrahmen und es so noch deutlich besser absetzen.

Quelle: film-grab.com, The Ballad of Buster Scruggs

Diese Szene aus „The Ballad of Buster Scruggs“ ist deutlich kleinteiliger. Aber auch hier werden Farbflächen verwendet, um entscheidende Dinge in den Fokus zu rücken.

Die Hautfarbe des Hauptdarstellers würde sich wahrscheinlich vor der ebenfalls rötlichen Wand im Hintergrund schlecht abheben, wenn sein Gesicht nicht durch die Krempe des weißen Huts umrahmt wäre.

Ähnlich sticht der in dunkle Schatten gehüllte Arm im Vordergrund durch das helle Fenster im Hintergrund besonders hervor.

Dies könnte auch interessant sein: